Schwarzer Einser - bunte Million

Aus der LVZ 13. Januar 2011

Giesecke & Devrient: Im Philatelie-Schatzkästchen gestöbert

Erinnern Sie sich an den Fernsehabend des 26. November 2010? Da war doch dieses Quiz Genau! Nach beinahe vier Jahren Millionärsabstinenz beantwortet Ralf Schnoor, 49-jähriger Café-Besitzer aus Hannover, an diesem Abend Jauchs "Wer wird „Millionär" - Frage mit einem überzeugenden und klaren: "Ich." Er geht mit der richtigen Antwort A auf die alles entscheidende Frage nach der ersten, in Deutschland herausgegebenen Briefmarke als nunmehr siebter Millionär in die Geschichte dieser Quizshow ein.

Mal Hand aufs Herz: Hätten Sie die richtige Antwort: A: Schwarzer Einser, B: Roter Zweier, C: Gelber Dreier, D: Blauer Vierer, gewusst? Nach dieser Millionenfrage weiß es nun sicher jeder. Aber wissen Sie auch, wie die erste Briefmarke der Welt heißt, wer sie herausgegeben hat und wer heute eine Vielzahl der deutschen Postwertzeichen druckt? Nach Vorschlägen des Engländers Rowland Hill erscheint die erste Briefmarke der Welt, die "One Penny Black", am 1. Mai 1840 mit dem Motiv Königin Victorias im Vereinigten Königreich. Den Druckauftrag erhält die Londoner Druckerei Perkins, Bacon & Petch. In den USA erscheinen nur ein Jahr später die ersten Lokalmarken, es folgen Brasilien, die Schweiz und Genf. In Deutschland

klebt mit dem am 1. November 1849 im damaligen Königreich Bayern herausgegebenen Schwarzen Einser die erste Marke auf einer Postsendung. 1850 folgen Hannover, Preußen, Sachsen und Schleswig-Holstein. Der Druck dieser kleinen gezackten Schönheiten hat neben der Bundesdruckerei Berlin und der Bagel – Security - Print GmbH & Co. KG Mönchengladbach, auch in Leipzig bereits eine lange Tradition. Stellt die Berliner Druckerei seit mehr als 100 Jahren die zumeist viereckigen bunten Marken her, erhält das seit 1852 in der Johannisgasse ansässige Leipziger Traditionshaus Giesecke & Devrient (G&D) den ersten Druckauftrag für Briefmarken 1880 aus Übersee.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird G&D verstaatlicht und nimmt als Wertpapierdruckerei" neben der Herstellung von Banknoten und Aktien auch den Druck der Postwertzeichen wieder auf. Bis heute werden hier - inzwischen wieder in "Giesecke & Devrient-Werk Wertpapierdruckerei Leipzig" zurück benannt - die zackigen Kunstwerke im Auftrag der Deutschen Post produziert. Das auf die Herstellung von Banknoten spezialisierte Werk produziert heute Briefmarken für die Post mit bis zu 20 verschiedenen Motiven pro Jahr und druckt Emissionen für andere Länder. Egal, ob nass- oder selbstklebende Marken, Wertzeichen im Block oder als Einzelmarke, Sondermarken in begrenzter Auflage oder die ganz normale Nullachtfünfzehn - Marke für den täglichen Versand. Neben freiberuflichen Grafikern ist nahezu jeder zehnte Mitarbeiter in der Auftragsbearbeitung, im Druck, in der Weiterverarbeitung und im Versand an der Herstellung der Briefmarken beteiligt.

Briefe oder Karten schreiben sollte also wieder mehr in Mode kommen, denn es ist nicht nur persönlicher als eine E-Mail oder SMS. Es sichert und erhält auch Arbeitsplätze. Besonders in Leipzig. Martina Frenzel

 

 G & D-Mitarbeiter Thomas Motschmann kontrolliert einen Druckbogen von Selbstklebemarken aus der Emission Werratal.Foto: Martina Frenzel

 

EMMISSIONSJAHR 2010

Nassklebende Sonderpostwertzeichen: insgesamt 17 verschiedene Motive in einer gesamten Auflage von rund 100 Millionen Stück, darunter besondere Motive wie Paralympics 2010, 300 Jahre Porzellanherstellung in Deutschland, 200 Jahre Oktoberfest sowie die von Udo Lindenberg selbst gestaltete Grünenmarken-Editionen Sonderzug nach Pankow und Andrea Doria.

Selbstklebende Postwertzeichen: verschiedene Motive in einer Gesamtauflage von rund 500 Millionen Stück, darunter Motive wie Naturkundemuseum Berlin, 300 Jahre Porzellanherstellung in Deutschland, Narzisse, 1000 Jahre St. Michaelis Hildesheim, Werratal, Zweier-Promotion-Set Sonderzug nach Pankow und Andrea Doria.

Seit Beginn des Jahres Druck von Sondermarken für die Schweizer Post unter anderem mit drei Aufträgen zu je fünf Motiven sowie Weihnachtsmarken mit Applikationen. mf

Wenige Tage später gab es diese Berichtigung:

Herrn Wolfgang Vogel, 04416 Markkleeberg im LVZ Leserbriefe / 24. Januar 2011, S. 18

Die Welt hat zwei erste Briefmarken - Zum Beitrag "Schwarzer Einser - bunte Million" vom 13. Januar:                         

In diesem Beitrag steht, dass die erste Briefmarke der Welt die am 1. Mai 1840 im Vereinigten Königreich erschienene "One Penny Black" ist. Dies ist nicht korrekt. Die erste Briefmarke der Welt waren genauer gesagt zwei Marken, die zusammen erschienen: die im Beitrag genannte schwarze Ein-Penny- undeine blaue Zwei-Pence-Marke. Dass fast ausnahmslos immer nur der One-Penny-Marke auch von vielen Philatelisten der Titel "Erste Briefmarke" zuerkannt wird, hängt wohl mit dem Eintrag der Marken in Briefmarkenkatalogen zusammen. Die Marken einer Emission werden in Katalogen generell in der Reihenfolge vom kleinsten bis zum größten Nominalwert aufgeführt. Ein Penny ist nun mal kleiner als zwei Pence. Deshalb steht die One-Penny-Marke im Katalog vor der Zwei-Pence-Marke. Sie ist jedoch nicht vor der Zwei-Pence-Marke erschienen. Die Welt hat also zwei erste Briefmarken.

Anmerkung: Wir bedanken uns beim Sammlerfreund D. Daniel für den Hinweis auf den Artikel.