Hobby mit Zacken

Das stand am 25. Mai 2009 in der Montagsbeilage der Schweriner Volkszeitung: Ein interessanter Beitrag mit einer Anleitung zum Briefmarkensammeln für junge Sammler. 

 

 Hobby mit Zacken  

Beim Briefmarkensammeln kann man eine Menge lernen

    

Findet man beim Suchen nach seltenen Marken interessante Briefe und Karten aus vergangenen Zeiten, sollte man die Marken nicht ablösen, sondern die ganzen Briefe aufheben. (Foto: dpa - bearbeitet)

   

Briefmarken zu sammeln ist ein interessantes Hobby – aber immer weniger Menschen gehen ihm nach. Das ist schade, denn beim Betrachten der kleinen Marken kann man eine Menge lernen. Zum Beispiel aus der Geschichte: Die erste deutsche Briefmarke gab das Königreich Bayern heraus. Am 1. November 1849 kam die „Schwarze Einser“ auf den Markt. Zwölf Exemplare inklusive einem einmaligen Fehldruck wurden erst vor kurzem für stolze 320 000 Euro versteigert. 

Es folgte am 1. Juli 1850 Sachsen, am 15. November Preußen und Schleswig-Holstein und am 1. Dezember 1850 Hannover. Die anderen Länder schlossen sich in den Folgemonaten und –jahren an. Die meisten Bilder auf den Marken hatten damals die ungelöste nationale Frage zum Thema. Am 1. Januar 1872 kam die erste Briefmarke der Deutschen Reichspost heraus. Heute werden von der Deutschen Post jährlich etwa 50 Sondermarken verkauft. Doch das sind längst nicht alle neuen Briefmarken: Auch private Dienstleister geben eigene Briefmarken heraus – zum Beispiel auch unser Zeitungsverlag. In ein Sammelalbum bringen diese Marken zusätzlich Abwechslung.

Darüber hinaus wird die Bedeutung der Briefmarken aber immer geringer. Denn in den Postfilialen wird heute nur noch in den seltensten Fällen eine richtige Marke auf den Umschlag geklebt. Meist landet heute ein Schwarz-Weiß-Ausdruck neben dem Adressenfeld.

Briefmarken sind also fast schon Raritäten – auch deshalb lohnt es, sie zu sammeln. Für alle die es versuchen möchten, hier einige Tipps: * Wer Briefmarken sammeln möchte, sollte sich für ein Sammelgebiet entscheiden. Das können die Briefmarken eines bestimmten Landes sein. Man kann aber auch nach Motiven sammeln: Fußball, Autos, Blumen, Schmetterlinge, Natur, Denkmäler, Personen… * Man sollte entscheiden, ob man gestempelte oder postfrische Marken sammelt. Wer „frische“ Marken bei der Post kauft, muss in jedem Fall den aufgedruckten Wert bezahlen. Gestempelte Marken sind meist preiswerter, denn sie haben ihren ursprünglichen Zweck ja schon erfüllt. Durch den Stempel werden diese Marken oft erst richtig interessant. * Wie wäre es damit, statt Marken abzulösen komplett erhaltene Briefe, Karten oder Paketkarten zu sammeln. Während man an einer lose gestempelten Marke im besten Fall erkennen kann, wann und wo sie gebraucht wurde, sagt ein ganzer Brief auch, wozu und für welche Portostufe die aufgeklebte Marke diente. Darüber hinaus tragen besonders alte Briefe oft interessante Vermerke. * Gesammelt werden nur fehlerfreie Marken. Sie müssen also alle Zähne haben, das Papier darf weder verschmutzt noch eingerissen sein. Geschnittene Marken sollten an allen vier Seiten noch einen nicht zu knappen Rand aufweisen und an keiner Stelle im Druckbild angeschnitten sein. Gestempelte Marken sollten einen sauberen, das Markenbild nicht verunzierten Stempel tragen. Darauf sollten möglichst Ort und Datum zu erkenn sein. Sind Marken sehr alt – mindestens 50 Jahre – kann man sie aber auch sammeln, wenn sie kleine Beschädigungen aufweisen. * Und so löst man Marken von Briefen oder Karten ab. Zuerst stellt man sich zwei Schalen mit klarem Wasser bereit, eine mit warmen, eine mit kaltem. Zuerst kommen die Briefausschnitte in das warme Wasser. Achtung: Nicht zu viele auf einmal (maximal 50g) und keine Ausschnitte aus stark farbigem Papier, mit Resten farbigem Briefumschlagfutter oder Filzstiftbeschriftung hineintun. Sonst könnten durch auslaufende Farben Verfärbungen auftreten, die alle Marken verderben können. Vom Papier abgezogen wird die Marke erst, wenn dies ohne Widerstand geht. Sonst reißt sie ein. Die abgelösten Marken kommen in die zweite Schale mit klarem Wasser, in dem sich letzte anhaftende Gummireste lösen. Anschließend werden die Marken zunächst auf Zeitungen ca. 15 Minuten lang vorgetrocknet. Lässt man sie länger dort liegen, fangen sie an , sich aufzuwölben und zu rollen. Anschließend werden sie in einem Buch zwischen Löschblättern oder etwa 24 Stunden gepresst. svz