In Memoriam: Hugo Schwaneberger

Wer sich mit der Struktur des Bundes Deutscher Philatelisten befasst, der registriert, dass die große Mehrzahl der Sammlervereine ihren Namen nur auf den Ort  ihres Wirkens beziehen. Man findet wenige Vereine, die einen Traditionsnamen führen. Als Beispiele sollen hier Germania oder Saxonia genannt werden. Das gilt natürlich auch für die Vereine, die in ihrem Namen Persönlichkeiten ehren, die auf dem Gebiet der Philatelie Besonderes geleistet haben. Zu ihnen gehört unser "Philatelistenverein 1882 e.V. HUGO SCHWANEBERGER LEIPZIG". 

Wer aber war Hugo Schwaneberger, was waren seine Verdienste für das Sammelwesen, die 125 Jahre das Gesicht unseres Vereins geprägt haben?

Als Sohn eines Kreistierarztes wurde Hugo Schwaneberger am 23. Mai 1853 in Neumarkt / Schlesien geboren. Er wuchs in "gutbürgerlichen" Verhältnissen auf, die ihm den Besuch des Gymnasiums in Ratibor gestatteten. Das war eine wesentliche Voraussetzung für einen kaufmännischen Beruf. Seine Wehrpflicht absolvierte er 1876 im 62. Infanterieregiment. Doch eine militärische Laufbahn lag nicht in seinem Interesse. Frühzeitig entwickelte sich seine Sammlerleiden­schaft: Zigarrenbauchbinden, Steuermarken... und nicht zuletzt Briefmarken. Letztere nahmen immer größeren Raum ein und wurden schließlich zum bestimmenden Feld seiner Arbeit. Hugo Schwaneberger erkannte frühzeitig den Vorteil des Sammelns in der Gemeinschaft.

Er wurde Mitglied des 1877 gegründeten Inter­nationalen Philatelisten Vereins Dresden. Von nun an nahm die philatelistische Tätigkeit immer größeren Raum ein. Nachdem das neu erarbeitete Statut des Vereins die Bildung von Sektionen in anderen Städten vorsah, gründe­ten Dr. jur. Paul Kloss, Bernhard Blauhut, Guido Hager und Hugo Schwaneberger 1882 die Leipziger Sektion des In­ternationalen Philatelis­tenvereins. Sie ernannten Hugo Schwaneberger zu ihrem Vorsitzenden.   

Im Lehrbuch für Briefmarkenkunde erwähnt Theodor Haas die Gründung eines Leipziger Briefmarkenvereins am 19.2.1876. Außer dieser Notiz ist keine weitere Aktivität dieses Vereins bekannt, so dass die Leipziger Sektion und ihre weitere Entwicklung als die älteste, noch existierende Vereinigung Leipziger Philatelisten gilt. Die Mitgliederzahl der Leipziger Sektion wuchs rasch an. So konnte Hugo Schwaneberger bald auf einen wachsenden Verein zurückgreifen, der zahlreiche philatelistische Aktivitäten organisierte. Unter seiner Leitung wurden unter anderem Briefmarkenausstellungen durchgeführt. So genannte Wanderver­sammlungen des Internationalen Philatelistenvereins Dresden wurden auch in Leipzig organisiert. Ein Höhepunkt war in diesem Zusammenhang die Briefmarkenschau anlässlich der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung im Herbst 1897 in Leipzig. Wie die Chronik berichtet, richteten die Mitglieder der Sektion Leipzig eine für damals einmalige Briefmarkenausstellung aus. Alle weltweit bis dahin erschienenen Postwert­zeichen wurden gezeigt, Ausnahmen waren nur: Britisch-Guyana 1 Cent von 1856 sowie Mauritius Ip. rot und 2p. blau von 1847. 

 
 

In Hugo Schwaneberger vereinten sich Eigenschaften wie organisatorische Fähigkeiten, umfassende philatelistische Kenntnisse und nicht zuletzt kaufmännisches Geschick. So übernahm er den Vorsitz für die Organisation des 16. Deutschen Philatelistentages 1904 in Leipzig.

   

Als 1914 in Leipzig die "Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik" stattfand, gestaltete er mit den sächsischen Philatelisten Hugo Krötzsch und E. A. Glasewald die philatelistische Abteilung dieser Ausstellung. An der weiteren Entwicklung der Leipziger Sektion hatte er einen entscheidenden Anteil. 1907 begeht diese im Leipziger Palmengarten das 25-jährige "Stiftungsfest".

 

 Gruppenaufnahme der 25 Jahr – Feier im Leipziger Palmengarten

Hugo Schwaneberger gehörte zu den Personen in Sachsen, die sich auf dem Gebiet der Philatelie schriftstellerisch und verlegerisch verdient gemacht haben. So war er von 1883 bis 1892 verantwortlicher Schriftleiter der Vereinszeitschrift " Philatelist".

Das erste wissenschaftlich erarbeitete Briefmarkenalbum ist sein Verdienst. Als Ergebnis seiner Arbeit entstand der "Verlag des Schwaneberger Album GmbH"

 

 Brief des o. g. Verlags vom 16.01.1925 nach Bukarest

 

 Am 22. Oktober 1932 beging die Leipziger Sektion, die sich inzwischen als "Ortsgruppe Leipzig" bezeichnet, das 50-jährige Bestehen. Gleichzeitig konnte Hugo Schwaneberger auf 50-jährige erfolgreiche Arbeit als Vorsitzender der Ortsgruppe Leipzig zurückblicken. In Anerkennung seiner Verdienste für die Philatelie wurde der Name des Vereins in "Ortsgruppe Schwaneberger" geändert.

 

 Gruppenaufnahme der 50 – Jahr - Feier

Anlässlich seines 80. Geburtstags, den er in voller geistiger und körperlicher Frische erleben konnte, wurde er von der philatelistischen Welt hoch geehrt. Am 31. August 1934, nach Vollendung des 81. Lebensjahrs, verschied Hugo Schwaneberger. .Der Ehrenvorsitzende der Leipziger Ortsgruppe fand seine letzte Ruhestätte auf dem Leipziger Südfriedhof. Die Mitglieder der Leipziger Ortsgruppe gedachten in einem privaten Zudruck auf Ganzsachen des Deutschen Reichs ihres Ehrenvorsitzenden. In den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit geriet die Erinnerung an die Ruhestätte auf dem Südfriedhof in Leipzig in Vergessenheit.

 

 Erst in den 70er Jahren fand ein Vereinsmitglied die verwilderte Grabstätte. Es gelang unserem Verein, sie vor der Einebnung zu bewahren. Unter finanzieller Beteiligung des Münchner Schwaneberger-Verlags erwarb unser Verein die Rechte am Grab und versetzte die Grabstätte wieder in einen würdigen Zustand. Ein Blick in die Chronik beweist, dass die Vorbildwirkung Hugo Schwanebergers die Denk- und Verhaltensweisen vieler Mitglieder des Vereins beeinflusste. So konnte der Verein das politische Auf und Ab der vergangenen Jahrzehnte erfolgreich überstehen. 125 Jahre Vereinsgeschichte legen Zeugnis darüber ab, dass das Wirken Hugo Schwanebergers unvergessen und auch heute noch Motivation für unsere Aktivitäten auf dem Gebiet der Philatelie ist. Eberhard Schlesinger, Leipzig