Preussische Militärpost

 Beispiele Preussischer Militärpost aus der

Niederhaltung Polnischer

Unabhängigkeits-

bestrebungen

im 19. Jahrhundert

von Hans Schäfer

Vorgeschichte

Das Königreich Polen war im Spätmittelalter einer der bedeutendsten Staaten Europas und zu Beginn der Neuzeit durchaus noch relevant, siehe Johann III. Sobieski. (der Retter von Wien) und August der Starke.

Nach zunehmender Schwächung im 18. Jahrhundert verschwand Polen jedoch als unabhängiger Staat nach den 3 Teilungen durch die Nachbarstaaten Russland,Österreich und Preußen für 120 Jahre von der politischen Landkarte. Fürst Poniatowski hoffte auf Wiederherstellung der polnischen Nation mit Hilfe Napoleons, wie bekannt vergeblich. Im Wiener Kongress wurde ein polnisches Königreich errichtet („Kongresspolen“), aber von Russlands Gnaden. Gegen diesen Zustand gab es mehrere Aufstandsversuche:

Novemberaufstand in Polen 1830/31

Der Novemberaufstand von 1830/1831, auch Kadettenaufstand genannt – war der erste größere Aufstand der Polen nach dem Wiener Kongress, der die Unabhängigkeit Polens zum Ziel hatte. Der Zar Nikolaus I. wurde in seiner Eigenschaft als König von Kongresspolen für abgesetzt erklärt. Es kam zur Bildung einer nationalen Regierung. Die militärischen Auseinandersetzungen verliefen zunächst für die Polen günstig, bis sie schließlich der Übermacht der russischen Armee unterlagen. Nach der Niederlage kam es zur politischen Emigration zahlreicher Anhänger des Aufstandes. Das Königreich Polen verlor seine Verfassung und die Bürgerrechte wurden eingeschränkt. Eine weitere Ursache des Aufstands waren die Revolutionsbewegungen des Jahres 1830 in Frankreich, Belgien und im Kirchenstaat. Nikolaus I. reagierte, in dem er die Heilige Allianz“ dagegen zu mobilisieren versuchte. Mitglied war auch Preußen, dass Russland im Kampf gegen die Aufständischen beistehen wollte. Dazu gab es eine Teilmobilisierung und Stationierung der Truppen in Grenzgebieten zu Polen (mit Feldpost, aber ohne spezielle Feldpoststempel).

 

Monatlicher Militärbrief mit dem in diesem Zusammenhang seltenen Rundstempel als Bestätigung der miltärischen Herkunft aus Glogau vom 3.1.1831.

Aus dem Text: das gesamte 5. Armeecorps ist mobil mit 30000 Mann im Bereich Posen ...“

Großpolnischer Aufstand 1848

Der Großpolnische Aufstand von 1848 war eine von der preußischen Armee sehr bald niedergeschlagene polnische Erhebung in der Provinz Posen während der revolutionären Unruhen des Jahres 1848.

Beginn des Aufstandes 

Sobald die Nachrichten von den revolutionären Vorgängen in Berlin in Posen bekannt geworden waren, begann sich am 20. März auch dort ein polnisches Nationalkomitee zu bilden und demonstrativ wurden die rot-weißen polnische Kokarden angelegt. Von Posen aus verbreiteten sich die Nachrichten über die Bewegung in der gesamten Provinz. In Posen sah sich der preußische Oberpräsident von führenden polnischen Adeligen genötigt, eine Versammlung zu erlauben, deren Zweck es war, eine Petition an den König zu verfassen. Diese Schrift wurde am 21. März 1848 von einer Delegation unter Leitung des Erzbischofs nach Berlin gebracht. In der Schrift hieß es, dass sich der gesamten polnischen Bevölkerung der Gedanke bemächtigt hätte, dass die Stunde der Wiedergeburt Polens gekommen sei. Die preußischen Behörden in der Provinz waren in dieser Phase auch wegen des revolutionären Umschwungs in Berlin in der Defensive. Die preußischen Truppen zogen sich in einige Stützpunkte zurück.  

Gegenreaktionen 

In der Folge begann sich unter den deutschen Einwohnern der Provinz antipolnische Stimmungen zu verbreiten. Auch von dieser Seite wurden Abgesandte nach Berlin geschickt. Es kam zur Organisationsbildung und der Bildung einer deutschen Schutzwehr.In Preußen gewannen inzwischen die konservativen Kreise wieder an Einfluss. Bereits seit dem 25. März 1848 begann das preußische Militär teilweise unter Hintergehung der preußischen Regierung auch mit militärischen Gegenmaßnahmen. Es wurde die Landwehr mobilisiert und von Schlesien aus rückten auch reguläre Truppen ein. Am 31. März wurde eine Verordnung erlassen, die den Polen eine Bewaffnung untersagte. Am 3. April wurde der Belagerungszustand verhängt. Bereits am 4. April betrug die Zahl der preußischen Truppen bei Posen 15.000 Mann. Ihre Zahl verdoppelte sich bis zum 9. April auf 30.000 Mann. Diese wurden zunächst nicht eingesetzt. In der Folge kam der Plan einer Teilung der Provinz in einen deutschen und einen polnischen Teil auf. Tatsächlich genehmigte der preußische König am 14. April zunächst die Abtrennung der deutschen Teile. Seit dem 19. April gingen preußische Truppen mit Gewalt gegen die Polen vor. Am 30.April siegte der polnische Oberbefehlshaber Ludwik Mierosławski in einem Gefecht bei Miloslaw. Es gab dann weitere Kämpfe mit wechselndem Erfolg. Von Gnesen aus stieß schließlich eine preußische Armee aus 12.000 Mann gegen Mierosławski vor. Dieser war vom übrigen Land abgeschnitten und sah sich besiegt. Er legte das Kommando nieder und am 9. Mai gab seine Einheit auf. Andere Truppen leisteten weiter Widerstand. Der Kleinkrieg ging noch im Monat Mai weiter.

Durch Preußen wurde keine Feldpost eingerichtet. Die Auflieferung der Post erfolgte bei den normalen Postanstalten.

Portofreiheit wurde am 25. Juni 1848 angewiesen und ab 25. Oktober wieder aufgehoben.


 2 Offiziersbriefe vom 1.9.1848 aus BUK und vom 26.9.1848 aus Posen

Januaraufstand in Polen 1863/64

Als Januaraufstand wird eine v. a. gegen das russische Zarenreich gerichtete Erhebung in dessen Weichselland (ehemals Kongresspolen) in den Jahren 1863/1864 bezeichnet. Nach der Niederlage im Novemberaufstand 1830/31 und der kurzen Hoffnung des Sturmjahres“ 1848 machte sich in weiten Kreisen des patriotisch bewussten Polen eine politische Depression breit. Die Idee einer neuen, von einem gebildeten Mittelstand getragenen, Nationalgesellschaft lebte aber weiter. Der am 22. Januar 1863 nach Zusammenstößen mit Kosaken ausbrechende Aufstand unterschied sich grundlegend vom Novemberaufstand 1830, denn die Aufständischen verfügten weder über ausgebildete Verbände noch über genügend Waffen, noch über eine klare militärische Führung. Der zum Oberbefehlshaber und Diktator vorgesehene Ludwik Mierosławski wurde, als er Mitte Februar vom preußischen Kujawien aus mit einer kleinen Schar vorzudringen versuchte, sofort geschlagen, musste sich nach wenigen Tagen zurückziehen und konnte seine Funktion nie ausüben. Es kam nicht zu Schlachten und großen militärischen Operationen wie 1830/31 und im April/Mai 1848, sondern lediglich zu kleinen Gefechten und einem immer neu aufflackernden Partisanenkampf, meist in unübersichtlichen Waldgebieten, in denen die Aufständischen auch zeitweilig kleine Städte beherrschten. Trotzdem dauerte der Aufstand 15 Monate und wurde erst im April 1864 niedergeschlagen. Ein offizielles Ende wie Waffenstillstand oder Friedensvertrag gab es bei einer Auseinandersetzung dieser Art natürlich nicht. 

Auf Grund eines Vertrages zwischen Preussen und Russland zur gemeinsamen Bekämpfung der Aufständischen waren auch preussische Truppen mobilisiert, griffen aber nicht in Kämpfe ein. Sie sorgten vielmehr in den Grenzgebieten zum russischen Teil dafür, dass die Aufständischen keine Rückzugsgebiete hatten. Es gab Feldpost, aber keine speziellen Feldpoststempel.


 Feldpostbrief vom 25.4.1863 aus Lautenberg

Aus dem Inhalt: „...Daß wir hier größere Fänge von Haupträdelsführern und Munition gemacht haben, werden Sie wohl aus den Zeitungen erfahren haben...“

 

 

Feldpostbrief vom 9.12.1863 aus INOWRACLAW mit Truppenteilstempel in Blau


Feldpostbrief vom 6.10.1864 aus RAWICZ mit Rundstempel M.B.ST. - Clement Nr. 81, sehr selten