Weihnachten in Marken

Weihnachten in Marken

(LVZ Stadtleben Nord 17. Dezember 2010 Seite 2)

 

  

Philatelist Harry Pätzold wirft Blick auf festliche Exemplare 

 Wiederitzsch Nicht größer als ein Daumen sind die meisten von ihnen, gezackt die Ränder und die Motive schier grenzenlos. Da wundert es nicht, dass einige von ihnen auch die bevorstehende Weihnacht zum Thema haben. Für das LVZ-Stadtleben öffnet Harry Pätzold, Vorsitzender des Leipziger Philatelistenvereins Hugo Schwaneberger, seine Briefmarkensammlung. Eigentlich treibt den Wiederitzscher das Thema Familie um.

Mehr als 200 Blätter, von der Evolution bis zum Tod, nennt er sein Eigen. Sie sind thematisch sortiert, ansprechend aufgemacht und mit Hintergrundinformationen gespickt - Marken, Stempel oder Einschreiben. "Natürlich habe ich mich auch den Festen, die in Familie gefeiert werden, gewidmet. Wie beispielsweise den Geburtstagen, dem Oster- oder eben dem Weihnachtsfest", so der 69-Jährige. 

Im Bundesverband Deutscher Philatelisten gibt es sogar Arbeitsgruppen, die sich mit dem Weihnachtsthema befassen - eine mit christlicher, eine mit der weltlichen Sicht. Der promovierte Sozialpädagoge zeigt in seiner Sammlung beides, auch wenn er für die religiösen Darstellungen auf Briefmarken die Bibel seines Nachbarn ausleihen musste. 

Weihnachten beginnt in Pätzolds Sammlung mit dem Nikolaus: Die österreichische Marke aus dem Jahre 1949 stamme aus dem Satz "Glückliche Kindheit". Sie zeigt den freudestrahlenden Nachwuchs beim Blick auf den Prall gefüllten Stiefel. Ebenfalls in die Adventszeit gehöre das gemeinsame Backen in der Familie. So ist auf einem Zusammendruck aus dem Jahre 1969 Lausitzer Volkskunst zu sehen. "Das sind alte Metallformen, für das Ausstanzen von Pfefferkuchen", erläutert der gebürtige Berliner. Sein Finger fährt weiter über das Blatt: "Hier haben wir einen Sonderstempel von 1934. Er zeigt Wuppertal im Zeichen des Adventskranzes, so die Bezeichnung des dortigen Weihnachtsmarktes." Der Stempel des Berliner Weihnachtsmarktes findet sich direkt daneben. Auch er ist eine kleine Besonderheit: Er stammt von 1990, einem Jahr nach der friedlichen Revolution. "Briefmarken flüstern, aber Briefe erzählen", fasst er die Faszination seiner Lieblinge zusammen. Setzt man beides in Zusammenhang, ergeben sich Geschichten. 

Auf anderen Briefmarken sind Kinder zu erkennen, die ihre Weihnachtswünsche zu Papier bringen. Das nächste ist ein Stempel aus Weihnachtsmannpostfiliale Himmelspfort. Zu strahlen beginnt er bei einer portugiesischen Postkarte. Zu sehen sind drei Generationen einer Familie. Sie sitzen am gedeckten Tisch, eine Petroleumlampe leuchtet und sie fassen einander an den Händen, um zu beten. "Sie feiern Weihnachten. Auf der Karte steht \u201A Boas Festas', was so viel bedeutet, wie \u201A Frohe Weihnachten'", beschreibt er die Karte aus dem Jahr 1946. 

Aber nicht nur Altes und Staubiges interessiert den Philatelisten. Eifrig beobachtet er auch jedes neu herausgegebene Stück. Die beiden aktuellen Weihnachtsmarken der Deutschen Post AG gehören ihm längst. Und mit Freude erwartet er das Erscheinen der drei Schweizer Exemplare. "Aufgrund der Mehrsprachigkeit werden dort keine Währungsangaben verwendet", verrät der Experte. Seine eigene Weihnachtspost wird, das versteht sich von selbst, ebenfalls philatelistisch aufgearbeitet. 

Uta Zangemeister

Dieser Brief von 1950, gestempelt in Uxbridge (England), trägt den Hinweis, weihnachtliche Post rechtzeitig zu versenden.

       

Der Motiv-Briefmarkensammler Harry Pätzold hat sich auf das Thema Familie spezialisiert. Über 200 Blätter hat er zusammengetragen.

1929 in Pacolet Mills (England) mit einem so genannten Figurenstempel, einer Engelsglocke, versehen

 

 

   

Diese weihnachtliche Marke samt passendem Poststempel aus London stammt aus dem Jahre 1997.

   

 

 

Diese finnische Weihnachtsmarke stammt aus dem Jahr 2002.

   Andere Länder, andere Sitten? Auch in Portugal feiert man das Weihnachtsfest mit der ganzen Familie. Dies zeigt zumindest dieses Postkartenmotiv aus dem Jahr 1946.

 

 Fotos: André Kempner